schattenpost
Vertrauliche Nachrichten via One-Time-Pad + LSB-Steganografie.
Beweisbar sicher verschlüsselt, authentifiziert, versteckt in einem harmlosen Foto — komplett lokal im Browser.
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schattenpost verschlüsselt Text mit einem echten One-Time-Pad (XOR gegen
`os.urandom`- bzw. `crypto.getRandomValues`-Zufall), authentifiziert ihn mit
einem Poly1305-Einmal-MAC und versteckt das Ganze in den niederwertigsten Bits
eines Trägerfotos. Das Ergebnis sieht aus wie ein ganz normales Bild, trägt die
Nachricht aber bit-genau in sich.
Zwei Frontends, **ein identisches Dateiformat**:
* **`schattenpost.py`** — Kommandozeilen-Tool (Python + Pillow).
* **`web/`** — client-side Web-App / PWA, läuft im Browser (auch iOS), offline-fähig.
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## ⚠️ Ehrliche Einordnung (bitte lesen)
Dies ist ein **Hobby- und Lernprojekt**, kein auditiertes Sicherheitsprodukt. Die
Krypto-Bausteine (OTP, Poly1305 nach RFC 8439) sind solide und getestet, aber:
* **Kein unabhängiges Sicherheits-Audit.** Nutzung auf eigenes Risiko.
* **Steganografie verschleiert den Inhalt, nicht die Existenz einer Kommunikation.**
Wer Metadaten/Traffic beobachtet, sieht *dass* du Bilder verschickst.
* **Die harte Nuss bleibt der Schlüsselaustausch.** Ein One-Time-Pad ist nur so
sicher wie die Art, wie ihr das Schlüsselmaterial *persönlich* übergebt (siehe
[OPSEC](#opsec-empfehlung)). Wird das Pad abgefangen oder kopiert, ist alles
hin.
* **Endgeräte-Sicherheit ist Voraussetzung.** Gegen ein kompromittiertes Gerät
(Keylogger, Screen-Grab) hilft keine Verschlüsselung.
Kurz: mathematisch sauber, aber die Sicherheit steht und fällt mit *deiner*
Handhabung der Schlüssel und Geräte.
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## Warum das (theoretisch) unknackbar ist
One-Time-Pad ist der einzige Cipher mit *informationstheoretischer* Sicherheit —
beweisbar unknackbar, solange **alle drei** Regeln gelten:
1. Der Schlüssel ist echt zufällig.
2. Der Schlüssel ist mindestens so lang wie die Nachricht.
3. Jeder Schlüsselabschnitt wird **nur ein einziges Mal** benutzt.
Regel 3 ist der klassische Todesstoß (`two-time-pad`). schattenpost erzwingt sie
über **richtungsgetrennte Schlüssel** + einen Offset, der im Schlüssel selbst
lebt.
### Authentifizierung (ohne die Sicherheit aufzugeben)
OTP verschlüsselt, sagt aber nichts über *Echtheit* — wer das Format kennt,
könnte einzelne Bits kippen. schattenpost hängt deshalb an jede Nachricht einen
**Poly1305-Einmal-MAC** (RFC 8439). Der 32-Byte-MAC-Schlüssel wird pro Nachricht
**frisch aus demselben One-Time-Pad** gezogen — direkt hinter dem Keystream — und
nie wiederverwendet. Genau unter dieser Bedingung ist Poly1305 ein
*informationstheoretisch* sicherer Authenticator: die „beweisbar unknackbar"-
Zusage bleibt vollständig erhalten, kein rechnerisch-sicheres HMAC/SHA nötig.
Der MAC deckt den Header (`stream_id`, `offset`, `length`) **und** den Ciphertext
ab (encrypt-then-MAC). Jede Veränderung am Bild — oder ein nicht synchroner
Schlüssel — lässt das Aufdecken hart abbrechen, statt stillen Müll zu liefern.
## Das Schlüsselmodell
Jede Beziehung nutzt **zwei unabhängige Schlüsselströme** — einen pro
Senderichtung. Jede Seite hält zwei Dateien:
| Datei | Zweck | Verhalten |
|------------|-------|-----------|
| `send.key` | Senden | Trägt den **Sende-Offset** im Header; er wandert bei jeder Nachricht vor. |
| `recv.key` | Empfangen | Wird nur **gelesen** (Offset kommt aus dem Bild), nie verändert. |
Dein `send.key` besteht aus demselben Zufallsmaterial wie der `recv.key` deines
Partners — und umgekehrt. Weil du und dein Partner zum Senden **nie denselben
Strom** benutzt, könnt ihr gleichzeitig schreiben, ohne je denselben
Schlüsselbereich zu treffen.
Ein zufälliger **Stream-Identifier** in jedem Schlüssel landet auch im Bild.
Dadurch erkennt das Aufdecken sofort, ob der richtige `recv.key` benutzt wird —
statt stillen Kauderwelsch zu liefern.
### OPSEC-Empfehlung
Lege die Schlüssel auf einen **USB-Stick** und häng ihn nur ans gerade benutzte
Gerät. Dann existiert jeder `send.key` (mit seinem Offset) **physisch nur einmal**
— zwei Zähler können nicht auseinanderdriften, und auf Handy/Laptop liegt nie ein
Schlüssel herum. Mehrere Kontakte = mehrere Schlüsselsätze auf dem Stick.
## Voraussetzungen
* **CLI:** Python ≥ 3.8 und [Pillow](https://python-pillow.org/) (`pip install Pillow`).
* **Web:** ein moderner Browser. Kein Build-Schritt, keine Abhängigkeiten — die
App ist eine einzelne `index.html` mit eingebettetem Krypto-Kern.
## CLI
```bash
pip install Pillow
```
### 1. Schlüsselpaar erzeugen (einmalig, pro Kontakt)
```bash
python3 schattenpost.py genkey -o kontakt_bob -s 1000000 # 1 MB je Richtung
```
Erzeugt vier Dateien mit beschreibenden Namen (Seite + Rolle stehen im Dateinamen
— einheitlich zum Web-Frontend):
* `kontakt_bob_meine_seite__send.key` + `kontakt_bob_meine_seite__recv.key`
→ **du** behältst sie.
* `kontakt_bob_partner_seite__send.key` + `kontakt_bob_partner_seite__recv.key`
→ **dem Partner** geben (Stick, persönlich).
### 2. Senden
```bash
python3 schattenpost.py hide \
-t "Treffpunkt morgen 18 Uhr." \
-k kontakt_bob_meine_seite__send.key \
-c urlaubsfoto.jpg \
-o Screenshot_20260714_220801.png
```
Der Sende-Offset im `send.key` wird dabei automatisch fortgeschrieben.
Alternativ `-i datei` statt `-t`, oder Text über stdin.
### 3. Empfangen
```bash
python3 schattenpost.py reveal -s Screenshot_20260714_220801.png -k kontakt_bob_meine_seite__recv.key
```
Mit `-o klartext.txt` in eine Datei statt auf stdout.
## Weboberfläche & PWA (`web/`)
Eine **client-side** App: Verschlüsselung und Steganografie laufen zu 100 % im
Browser. Schlüssel, Klartext und Nachricht verlassen das Gerät nie. Ein Server,
der die Dateien ausliefert, sieht nichts.
* **Überall erreichbar, iOS inklusive** (nur Safari-Standard-APIs).
* **PWA**: über „Zum Home-Bildschirm" installierbar; der Service Worker cacht die
App-Shell → danach **offline** nutzbar (kein Server mehr nötig).
* **Format-kompatibel zum CLI** — am Terminal senden, am Handy empfangen und
umgekehrt. Abgesichert durch `bash web/_interop_run.sh`: der Runner lädt exakt
den Krypto-Kern aus der ausgelieferten `index.html`, fährt beide Senderichtungen
CLI↔Web durch, prüft den Poly1305-MAC cross-implementation gegen den
RFC-8439-Vektor und verifiziert die Manipulations-Erkennung.
### Rollenverteilung (wichtig wegen der Browser-Sandbox)
Ein Browser darf **nicht** in eine Datei auf dem Stick zurückschreiben. Deshalb:
* 📥 **Empfangen**: überall per Web/PWA — der `recv.key` wird nur gelesen. ✓
* 📤 **Senden**: am Laptop am besten per **CLI** (schreibt den Offset direkt auf
den Stick). In der Web-App bekommst du nach dem Verstecken den **aktualisierten
`send.key` zum Download** und musst ihn auf dem Stick ersetzen — sonst würde der
nächste Sendevorgang denselben Schlüsselbereich erneut benutzen.
### Lokal starten
```bash
python3 -m http.server -d web 8000 # http://localhost:8000
```
Produktiv hinter einen beliebigen Static-Host / Webserver. **HTTPS ist nötig**,
damit Service Worker und PWA-Installation greifen.
### ⚠️ iOS-Eigenheit
Stego-Bild über **„In Dateien sichern"** ablegen und als **Datei** teilen —
nicht in „Fotos" speichern. iOS re-komprimiert Bilder aus der Fotos-Mediathek
und würde die Nachricht zerstören.
## Formate
**Schlüsseldatei** (`SPK1`, 24-Byte-Header + Zufallsmaterial):
| Feld | Größe | Inhalt |
|------|-------|--------|
| magic | 4 B | `SPK1` |
| version | 1 B | `1` |
| role | 1 B | `1` = send, `0` = recv |
| stream_id | 8 B | Strom-Kennung (identisch im Paar) |
| send_offset | 8 B | nächster freier Offset (uint64 BE) |
| *(padding)* | 2 B | |
| material | n B | echtes Zufalls-Pad |
**Stego-Container im Bild** (`SPS3`, 41 B Header, dann Ciphertext, LSB MSB-first
in die R/G/B-Kanäle):
| Feld | Größe | Inhalt |
|------|-------|--------|
| magic | 4 B | `SPS3` |
| version | 1 B | `3` |
| stream_id | 8 B | welcher Strom (Schlüssel-Check) |
| offset | 8 B | Pad-Offset (uint64 BE) |
| length | 4 B | Ciphertext-Länge (uint32 BE) |
| tag | 16 B | Poly1305-MAC über die 25 B davor + Ciphertext |
Pro Nachricht verbraucht der Pad-Strom **`length + 32` Bytes**: `length` für den
Keystream, 32 für den Poly1305-Einmalschlüssel (`r|s`). Der Sende-Offset wandert
entsprechend weiter. Alte `SPS2`-Bilder (ohne Tag) werden beim Aufdecken noch
gelesen, aber als **unauthentifiziert** markiert.
## Projektstruktur
```
schattenpost.py CLI (genkey / hide / reveal)
web/
index.html Web-App + Krypto-Kern (zwischen ==CORE START/END== markiert)
sw.js Service Worker (Offline-Cache der App-Shell)
manifest.webmanifest PWA-Manifest
icon-192.png, App-Icons
icon-512.png
_interop_run.sh Reproduzierbarer CLI↔Web-Interop-Test
_interop_test.mjs Web-Core-Seite des Tests (lädt den Kern aus index.html)
_interop_rawrgb.py Test-Helfer (PNG ↔ rohes RGB)
```
Dateien mit `_`-Präfix sind Entwickler-/Test-Werkzeuge, nicht Teil der App.
## Tests
```bash
pip install Pillow
bash web/_interop_run.sh
```
Prüft Poly1305 gegen den RFC-8439-Vektor (Python *und* JS), beide Senderichtungen
CLI↔Web und die Manipulations-Erkennung.
## Grenzen / Hinweise
* **Manipulationsschutz ist drin** (SPS3 / Poly1305-Einmal-MAC): Bit-Kippen am
Bild wird erkannt, das Aufdecken bricht ab. Steganografie *versteckt* aber
weiterhin nur — sie verschleiert nicht, *dass* überhaupt kommuniziert wird.
* **Der eine Rest-Fall:** derselbe `send.key` gleichzeitig auf zwei Geräten (ohne
Stick-Prinzip) kann trotzdem kollidieren — das Bild-Offset hilft nur dem
Empfänger. Regel: **ein `send.key`, ein aktives Sendegerät.**
* Verschickte Stego-Bilder **immer als Datei/Dokument**, nie als „Foto".
* Schlüssel gehören **niemals** in ein Repository — die `.gitignore` blockt
`*.key` bewusst.
## Lizenz
[MIT](LICENSE) — mach damit, was du willst, aber ohne Gewähr.